Ein Gespenst geht um in Bayern:

das gewerkschaftspolitische Seminarprogramm

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, manchmal muss auch ein guter Vortrag her. Deshalb gibt es selbstverständlich 2020 wieder zahlreiche Angebote zu gesellschaftskritischen Themen. Hier eine Übersicht.

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Was noch kommt und was Sie verpasst haben:

15. Februar: Die (Neue) Rechte und der Staat in Lateinamerika

Lange Zeit sah es so aus, als würde sich Lateinamerika politisch zu einem „linken“ Kontinent entwickeln. Mittlerweile haben dort in zahlreichen Ländern rechte Regierungen die Macht übernommen. Um deren Aufstieg zu verstehen, sind nicht nur der nationale, sondern der globale Kontext relevant.

Doch ist dieser Aufstieg wirklich so neu? Welche gesellschaftlichen Gruppen sind von der Politik der lateinamerikanischen Rechten besonders betroffen und in welcher Weise? Tatsächlich ist das Bild von einem natürlich zu Ende gehenden, progressiven Zyklus etwas irreführend, denn Politik ist immer umkämpft; unterschiedliche Interessen können sich mal mehr, mal weniger in staatlicher Politik durchsetzen und haben u. U. mit starken Beharrungskräften des Staates im Kapitalismus zu kämpfen.

Ziel des Seminars ist es, den „militanten Konservatismus“ besser einordnen zu können. Im Fokus stehen Mexiko, Kolumbien und Brasilien. Diese drei Beispiele sind sehr unterschiedlich und erlauben uns ein komplexeres Bild der Region zu entwerfen. So scheint sich in Mexiko der Wind gedreht zu haben. Die Neue Rechte, die die eskalierenden Gewaltraten seit 2007 mit verantwortet, hat einem Präsidenten Platz gemacht, der unter progressiven Kräften im Land viel Hoffnung geweckt hat, aber auch viel Kritik erfährt. In Kolumbien hat der bewaffnete Konflikt jahrelang den militanten Konservastismus legitimiert.

Doch trotz des 2016 geschlossenen Friedensvertrages zwischen Staat und FARC-Guerilla nehmen die Mordraten insbesondere an GewerkschafterInnen und LandaktivistInnen, indigenen VertreterInnen und MenschenrechtlerInnen nicht ab. Besteht hier ein Widerspruch? Dass in Brasilien die Neue Rechte nicht nur zu Gewalt auffordert, sondern ökologische Spannungsverhältnisse auf die Spitze treibt, ist längst ein globales Thema geworden. Doch was bedeuten diese Dynamiken für politisch aktive Menschen in Brasilien?

In jedem Fall hat die Rechtswende gesellschaftliche Widersprüche verschärft: Austeritätspolitik, Flexibilisierung von Arbeit und die Aufgabe der Kontrolle über Ressourcen gehen einher mit der Kriminalisierung von Protest.

Referentin: Dr. Alke Jenss, Soziologin, Arnold-Bergstraesser-Institut Freiburg

Seminarzeiten: Samstag 15. Februar 2020, 10:30 Uhr -17:00 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:

25. Januar: Die Weimarer Republik - Gründe des Scheiterns und Konsequenzen für die Gegenwart

Die erste deutsche Demokratie existierte nur etwas über 14 Jahre. In der heutigen historischen und politischen Diskussion zur Weimarer Republik liegt der Schwerpunkt auf deren Scheitern im Jahr 1933. Ein Tagesseminar mit dem Münchner Sozialwissenschaftler Dr. Ernst Wolowicz

Anders als oft wahrgenommen, war die Weimarer Republik nicht in einer Dauerkrise. Krisenphasen sind von Phasen einer relativen Stabilisierung zu unterscheiden. Die Legitimationsbasis für die regierenden Parteien schwankte stark, je nach ökonomischer und sozialer Lage.

Am Beginn der Weimarer Republik stand ein asymmetrischer Klassenkompromiss der MSPD mit den Eliten des Militärs, der Wirtschaft und der Verwaltung. Nur der politische Überbau wurde demokratisiert und sozialpolitische Reformen wurden durchgeführt. Die ökonomischen, militärischen, bürokratischen und kulturellen Machtpositionen blieben jedoch weitgehend in der Hand der konservativen bzw. reaktionären Elite aus der Zeit des Kaiserreiches. Mit der Verschärfung der ökonomischen Krise ab Herbst 1929 wurde dieser anfängliche asymmetrische Klassenkompromiss auf der (sozial-)politischen Ebene von den Eliten immer mehr aufgekündigt.

Die politische Demokratie wurde zunächst durch Präsidialkabinette ausgehöhlt, die mit Notverordnungen des Reichspräsidenten Hindenburg ausgestattete waren. Mit der politischen Machtübertragung an die NSDAP wurde sie schließlich abgeschafft.
Erleichtert wurde diese Politik durch eine zutiefst gespaltene Arbeiterbewegung (MSPD und USPD, ab 1920 SPD und KPD).

Das Seminar zeichnet diese Entwicklungen nach und fragt danach, welche Lehren sich aus dem Scheitern der Weimarer Republik für die Gegenwart ziehen lassen. Wenngleich man bei historischen Vergleichen stets vorsichtig sein muss (2020 ist sicher nicht 1930 oder 1933), ist es angesichts einer erstarkten AfD doch sinnvoll zu ergründen, welche Ursachen dieses Scheitern hatte.

Referent: Dr. Ernst Wolowicz, Sozialwissenschaftler

Seminarzeiten: Samstag 25. Januar 2020, 10:30 Uhr -17:00 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:

 

Gewerkschaftspolitische Bildungsangebote 2020

Gemeinsam denken, um zu verändern

Wer gesellschaftliche Missstände aufheben will, muss deren Ursachen und Hintergründe kennen und verstehen. Das erfolgreiche Engagement für humane Lebens- und Arbeits­bedingungen erfordert daher eine gründliche Analyse der gegebenen Verhältnisse.

Mit unseren gewerkschaftspolitischen Tagesseminaren laden wir alle interessierten KollegInnen dazu ein, sich intensiv mit den aktuellen Entwicklungen des globalen Kapitalismus zu befassen. Dabei geht es nicht nur um den Erwerb von Wissen, sondern auch und vor allem um eine gemeinsame, solidarische Auseinander­setzung mit zentralen Themen der Gegenwart. Wir behandeln Fragen der Ökonomie, der Politik, der Geschichte und der Philosophie, die wir kritisch diskutieren und hinsichtlich ihrer Konsequenzen für gewerkschaftspolitisches Handeln beleuchten. Vorkenntnisse sind hierfür nicht erforderlich.

Unsere Bildungsangebote richten sich an alle haupt- und ehrenamtlich aktiven KollegInnen sowie an alle weiteren, gewerkschaftlich Interessierten. Die Mitglied­schaft in einer DGB-Gewerkschaft ist keine Teilnahmebedingung.

Hier geht es zum Programm: Programmflyer 2020

 

Weitere Informationen und Anmeldung
DGB Bildungswerk Bayern e.V.
Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Tel. (089) 55 93 36 41, Fax (089) 53 80 494
politische.bildung@bildungswerk-bayern.de

 

 

07. Dezember: Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus – Erinnerungspolitik in Deutschland

Wer an den Nationalsozialismus erinnert, ihn verdrängt, ihn aufarbeitet oder sich mit ihm einfach nicht beschäftigt, der bzw. die hat dafür jeweils Gründe. Auf dem Tagesseminar am 07. Dezember in München geht Philipp Schweizer diesen Zusammenhängen auf den Grund.

Noch vor 50 Jahren schienen die Fronten klar: die Erinnerung an den Nationalsozialismus richtete sich nicht nur gegen das Schweigen der eigenen Eltern und Großeltern, sondern auch gegen das Schweigen der gesamten deutschen Öffentlichkeit und gegen eine Gesellschaft, die so weiter machte, als sei nichts geschehen. Die politischen RepräsentantInnen wollten auf eine große Zukunft Deutschlands hinarbeiten und dazu einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen. Wer an die von Deutschland Ermordeten erinnern wollte, galt dagegen als „Nestbeschmutzer“.

Heute sieht sich die offizielle Politik in dieser großen Zukunft angekommen und hat eine umfangreiche Erinnerungskultur etabliert. Routiniert wird zu Gedenktagen und -veranstaltungen an den Nationalsozialismus erinnert, dessen Verbrechen benannt und sich zur Verantwortung für die deutsche Schuld bekannt.

Im Seminar werfen wir einen Blick auf die Erinnerungspolitik, die bis in die 80er Jahre die offizielle Erinnerung in Deutschland prägte. Darauf aufbauend soll anhand von Reden und Beiträgen von PolitikerInnen untersucht werden, wie sich die Erinnerung bis heute verändert hat. Woher kommt der Sinnes-wandel und was sind die zentralen Inhalte dieser Erinnerung?

Seit wenigen Jahren wird gegen die bundes-republikanische Erinnerungskultur von rechts eine erinnerungspolitische Wende gefordert, die ganz eigene Ziele verfolgt. Worauf zielen diese Versuche? Zum Abschluss des Seminars soll vor dem Hintergrund der erarbeiteten Erkenntnisse diskutiert werden, was denn Aufarbeitung der Vergangenheit nun bedeutet.

Referent: Soziologe, SJD- Die Falken

Anmeldeschluss: Freitag, 29. November 2019
Seminarbeginn: Samstag 07. Dezember 2019, 10:30 Uhr
Seminarende: Samstag, 07. Dezember 2019, 17:00 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:

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