Theorie für eine verändernde Praxis

Das gewerkschaftspolitische Bildungsprogramm 2021

In Zeiten rasanter und tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche ist theoretische Orientierung nötiger denn je. Mit unserem Bildungsangebot möchten wir Räume zur Verfügung stellen, in denen Orientierungsprozesse in solidarischer Zu­sammenarbeit stattfinden können. Hier eine Übersicht der kommenden Veranstaltungen.

Gewerkschaftspolitisches Programm 2021

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DGB Bildungswerk Bayern
Neumarkter Str. 22
81673 München

Tel. 089 / 55 93 36 41

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Was noch kommt und was Sie verpasst haben:

07. Dezember: Die Aufarbeitung des Nationalsozialismus – Erinnerungspolitik in Deutschland

Wer an den Nationalsozialismus erinnert, ihn verdrängt, ihn aufarbeitet oder sich mit ihm einfach nicht beschäftigt, der bzw. die hat dafür jeweils Gründe. Auf dem Tagesseminar am 07. Dezember in München geht Philipp Schweizer diesen Zusammenhängen auf den Grund.

Noch vor 50 Jahren schienen die Fronten klar: die Erinnerung an den Nationalsozialismus richtete sich nicht nur gegen das Schweigen der eigenen Eltern und Großeltern, sondern auch gegen das Schweigen der gesamten deutschen Öffentlichkeit und gegen eine Gesellschaft, die so weiter machte, als sei nichts geschehen. Die politischen RepräsentantInnen wollten auf eine große Zukunft Deutschlands hinarbeiten und dazu einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen. Wer an die von Deutschland Ermordeten erinnern wollte, galt dagegen als „Nestbeschmutzer“.

Heute sieht sich die offizielle Politik in dieser großen Zukunft angekommen und hat eine umfangreiche Erinnerungskultur etabliert. Routiniert wird zu Gedenktagen und -veranstaltungen an den Nationalsozialismus erinnert, dessen Verbrechen benannt und sich zur Verantwortung für die deutsche Schuld bekannt.

Im Seminar werfen wir einen Blick auf die Erinnerungspolitik, die bis in die 80er Jahre die offizielle Erinnerung in Deutschland prägte. Darauf aufbauend soll anhand von Reden und Beiträgen von PolitikerInnen untersucht werden, wie sich die Erinnerung bis heute verändert hat. Woher kommt der Sinnes-wandel und was sind die zentralen Inhalte dieser Erinnerung?

Seit wenigen Jahren wird gegen die bundes-republikanische Erinnerungskultur von rechts eine erinnerungspolitische Wende gefordert, die ganz eigene Ziele verfolgt. Worauf zielen diese Versuche? Zum Abschluss des Seminars soll vor dem Hintergrund der erarbeiteten Erkenntnisse diskutiert werden, was denn Aufarbeitung der Vergangenheit nun bedeutet.

Referent: Soziologe, SJD- Die Falken

Anmeldeschluss: Freitag, 29. November 2019
Seminarbeginn: Samstag 07. Dezember 2019, 10:30 Uhr
Seminarende: Samstag, 07. Dezember 2019, 17:00 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:

19. Oktober: Kritik des Nationalismus

Der Soziologe Thorsten Mense widmet sich dem schwierigen Verhältnis von der Arbeiterbewegung und der „Nationalen Frage“.

„Die Arbeiter haben kein Vaterland“. Dieser Satz gehört wohl zu den bekanntesten aus dem Kommunistischen Manifest. Zugleich wurde kaum eine andere Aussage von Marx und Engels seit ihrer Niederschrift so umfassend widerlegt. Die Arbeiter/innen haben auf den historischen Schlachtfeldern ebenso wie in ihrer Alltagspraxis immer wieder deutlich gemacht, dass sie offenbar doch glauben, ein Vaterland haben. Eine Studie aus dem Jahr 2005 stellte fest, dass ein Drittel der Gewerkschaftsmitglieder nationalistische Ein­stellungen vertritt, was dem nationalisti­schen Potenzial in der Gesamtbevölkerung ent­spricht. Nationalismus geht aber über jene manifesten Einstellungsmuster hinaus: die unhinterfragte nationale Weltordnung spiegelt sich im Alltagsbewusstsein der Menschen ebenso wie in den Institutionen moderner Staatlichkeit. Lange Zeit wurde dem Nationalismus aufgrund zunehmender Globalisierung sein baldiges Ende voraus­gesagt – nun sind wir seit ein paar Jahren mit einem enormen Boom nationalisti­scher Ideologie konfrontiert, als Teil der globalen autoritären Revolte.

Doch was bringt Menschen im globalisierten 21. Jahrhundert dazu, für ihre Nation zu arbeiten, zu sterben und für sie zu töten? Was ist Nationalismus überhaupt? Warum hat sich im 20. Jahrhundert jede Revolution in nationalen Begriffen definiert? Und wieso ist es nirgendwo gelungen, die Mehrheit der Ausgebeuteten und Beleidigten für eine Idee wie die „klassenlose Gesellschaft“ zu gewinnen? In dem Tagesseminar soll diesen und anderen Fragen nachgegangen werden. Dabei werden wir uns auch dem schwierigen Verhältnis von der Arbeiterbewegung mit der „Nationalen Frage“ widmen. Nicht zuletzt soll es um Handlungsspielräume von Gewerk­schaften in einer nationalstaatlich verfassten Welt und gewerkschaftliche Strategien gegen den zunehmenden Nationalismus gehen.

Referent: Dr. Thorsten Mense, Soziologe und freier Journalist

Anmeldeschluss: Freitag, 11. Oktober 2019
Seminarbeginn: Samstag 19. Oktober 2019, 10:30 Uhr
Seminarende: Samstag, 19. Oktober 2019, 17:00 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: Gewerkschaftshaus Nürnberg, Kornmarkt 5 – 7, 90402 Nürnberg
Anmeldung:

Gewerkschaftshaus Nürnberg

Kornmarkt 5 – 7

90402 Nürnberg

14. September: Volksfront und Faschismus

Wie waren die verschiedenen Positionen, die Fürsprecher und Widersacher des Volksfront-Kurses einnahmen? Ein Tagesseminar mit dem Historiker und Politikwissenschaftler Jan Hoff.

1922 kamen die Faschisten in Italien an die Macht, 1933 die Nazis in Deutschland. Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre herrschte in den Kommunistischen Parteien der aus Moskau verordnete „Sozial­faschismus“-Kurs: Der Hauptfeind sei die Sozialdemokratie, sie sei eine faschistische politische Kraft. 1935 schwenkte die Kommunistische Internationale (Komintern) dann auf den Volksfront-Kurs um. Die Kommunistischen Parteien erhielten damit die Weisung, Bündnisse mit der bis dahin so energisch bekämpften Sozialdemokratie und mit antifaschistischen bürgerlichen Parteien einzugehen. In Frankreich und Spanien gelangten Volksfronten zwischenzeitlich sogar an die Regierung. Die Revolution stand für die Kommunisten nicht mehr auf der Tages­ordnung. Die neuen Verbündeten im Kampf gegen den Faschismus sollten nicht abgeschreckt werden.

Doch war dieser Volksfront-Kurs alles andere als unumstritten, denn sozialrevolutionäre Parteien und Theoretiker übten scharfe Kritik an der Volksfront.

In diesem Tagesseminar sollen die ver­schiedenen Positionen, die die Fürsprecher und Widersacher des Volksfront-Kurses einnahmen, historisch nachvollzogen werden. Nach 1945 ging die kontroverse Debatte weiter. Durch den Aufstieg rechter Parteien und Bewegungen erhält sie in der Gegenwart eine neue Aktualität.

Der Schwerpunkt des Seminars liegt auf der Beschäftigung mit historischen Original­quellen, anhand deren die Teilnehmer­Innen sich ein eigenes Urteil bilden können.

Referent: Dr. habil. Jan Hoff, Historiker und Politikwissenschaftler

 

Anmeldeschluss: Freitag, 6. September 2019
Seminarbeginn: Samstag 14. September 2019, 10:30 Uhr
Seminarende: Samstag, 14. September 2019, 17:00 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:

28. September: Fachtagung - Gewerkschaftliche Bildungsarbeit - Stand und Perspektiven

Die Fachtagung des DGB Bildungswerks Bayern will den organisationsübergreifenden Austausch über Grundlagen, Konzepte und aktuelle Baustellen in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit fördern

Die Gewerkschaften sind derzeit mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen konfrontiert, die sie vor neue Herausforderungen stellen. Die Digitalisierung der Arbeitswelt, der anhaltende politische Rechtstrend und Verschiebungen in den globalen ökonomischen Beziehungen sind nur einige Aspekte. Gerade in solchen Zeiten ist die Entwicklung neuer Ansätze und Strategien notwendig. Hier kann die Bildungsarbeit einen wichtigen Beitrag zur gewerkschaftlichen Arbeit insgesamt leisten. Sie stellt Räume bereit, in denen ohne unmittelbaren Handlungsdruck Perspektiven entwickelt und diskutiert werden können.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Fachtagung des DGB Bildungswerk Bayern zur gewerkschaftlichen Bildungsarbeit stehen die gewerkschaftlichen Bildungsstätten in Bayern. Ihnen kommt eine herausragende Rolle innerhalb der Bildungsarbeit zu, da sie besonders intensive und damit produktive Bildungsprozesse ermöglichen können.

ReferentInnen

Prof. Dr. Julika Bürgin, Hochschule Darmstadt

Manfred Weidenfelder, ver.di Bildungszentrum Haus Brannenburg

Gebhard Schwägerl, Kritische Akademie Inzell

Werner Hartl, IG Metall Bildungszentrum Lohr-Bad Orb

 

Programm

10:30 Impulsvortrag: Welche politische Bildung für welche Demokratie? (Julika Bürgin)
11:45 Pause
12:00 Gewerkschaftliche Bildungsarbeit als politische Bildungsarbeit – Perspektiven aus Haus Brannenburg (Manfred Weidenfelder)
12:45 Mittagspause
13:30 Schwerpunkte der Bildungsarbeit im Bildungszentrum Lohr-Bad Orb und die Frage nach dem Umgang mit dem politischen Rechtstrend (Werner Hartl)
14:15 Pause
14:30 Die Kritische Akademie Inzell – Hintergründe, Bildungsangebote und aktuelle Herausforderungen (Gebhard Schwägerl)
15:15 Gemeinsame Diskussion zur Zukunft der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit in Bayern
16:00 Tagungsende

 

Beginn: 28. September 2019, 10:30 Uhr
Ende: 28. September 2019, 16:00 Uhr
Ort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München

Anmeldung erforderlich
Anmeldeschluss: Mittwoch, 18. September 2019
Die Teilnahme ist kostenlos.
Ein Mittagsimbiss wird bereitgestellt.
Anmeldung per

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