Theorie für eine verändernde Praxis

Das gewerkschaftspolitische Bildungsprogramm 2021

In Zeiten rasanter und tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche ist theoretische Orientierung nötiger denn je. Mit unserem Bildungsangebot möchten wir Räume zur Verfügung stellen, in denen Orientierungsprozesse in solidarischer Zu­sammenarbeit stattfinden können. Hier eine Übersicht der kommenden Veranstaltungen.

Gewerkschaftspolitisches Programm 2021

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DGB Bildungswerk Bayern
Neumarkter Str. 22
81673 München

Tel. 089 / 55 93 36 41

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Was noch kommt und was Sie verpasst haben:

Corona und die Verwundbarkeit der Eigentumslosen

Online-Tagesseminar am Samstag, 05.12.20 mit Dr. Sabine Nuss

Die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie stürzte viele Menschen in eine existenzielle Krise. Jene, die bereits vor der Pandemie wenig Einkommen hatten oder in prekärer Beschäftigung standen, waren überdurchschnittlich oft von Gehalts- und Jobverlust betroffen. Demgegenüber standen andere, die ihrerseits überdurchschnittlich von der Krise profitierten und ihr Vermögen vermehren konnten.

Die Schere zwischen arm und reich ist in den letzten Jahrzehnten deutlich auseinander gegangen, die soziale Ungleichheit verschärfte sich in der von der Pandemie ausgelösten wirtschaftlichen Krise noch. Die nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, bestätigte diesen Befund in einer Stellungnahme zur COVID-19-Pandemie im April 2020. Lockerungen wurden angeraten, unter anderem mit Verweis auf die sozialen Verhältnisse: »In ärmeren und eher bildungsfernen Schichten fehlen tendenziell materielle, psychische und soziale Ressourcen.«

Das war richtig beschrieben, nur klang es, wie oft: als ob Armut und Prekarität ein zwar bedauerlicher, aber doch unvermeidbar hinzunehmender Zustand seien, den man nur besser oder schlechter verwalten könne, da er am Ende von den Betroffenen selbst zu verantworten oder schicksalshaft - diesmal aufgrund einer Pandemie - über sie gekommen sei.

Im Seminar soll am Beispiel der Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie diskutiert werden, inwieweit nicht ein Virus, sondern die herrschenden Eigentumsverhältnisse ursächlich sind für die augenfällig mangelnde Widerstandskraft von Mensch und Ökonomie. Dazu wollen wir uns grundsätzlich mit einer auf den ersten Blick schnell zu beantwortenden Frage auseinandersetzen, nämlich: was eigentlich ist Eigentum?

Dr. Sabine Nuss ist Politologin und Publizistin. Sie ist Geschäftsführerin des Karl Dietz Verlag Berlin.

Samstag, 05.12.2020, 10.30 - 15.00 Uhr
Die Teilnahme ist kostenlos.
Anmeldung per .

Der Staat des Kapitals - Johannes Agnolis Staats- und Parlamentarismuskritik

Ein Tagesseminar zur Einführung in das Denken des anarchokommunistischen Politikwissenschaftlers, das heute wieder von beeindruckender Aktualität ist.

Der anarchokommunistische Politikwissenschaftler Johannes Agnoli verfasste 1967 mit seiner berühmten Schrift „Die Transformation der Demokratie“ die theoretische Begründung, warum die außerparlamentarische Opposition der „68er“ (APO) eben gerade außerparlamentarisch sein sollte. Er unterzog die Institutionen Partei und Parlament einer scharfen Kritik und legte dar, welche Mechanismen es sind, die dafür sorgen, dass sich Machtverhältnisse nicht grundlegend ändern.

1975 folgte der Aufsatz „Der Staat des Kapitals“, in dem Agnoli die begrenzten ökonomischen Handlungsmöglichkeiten für linke Parteien oder Bewegungen, den Staat für emanzipatorische Vorhaben zu benutzen, aufzeigt.

Anhand dieser beiden Texte soll im Seminar in das Denken von Johannes Agnoli eingeführt und klassischen linken Strategiediskussionen nachgegangen werden: Bewegung oder Partei, Reformismus oder Revolution? Aber auch jenseits dieser großen Linien bietet Agnoli Anknüpfungspunkte für spannende Debatten über linke Theorie und Praxis. Was bedeutet es für linke parlamentarische oder gewerkschaftliche Strategien, wenn der Staat doch immer die Kapitalakkumulation sicherstellen muss? Und kann man in Zeiten, in denen die parlamentarische Demokratie inklusive der bürgerlichen Freiheitsrechte unter Beschuss von rechts steht, überhaupt Fundamentalkritik von links üben?

Seminarzeiten: Samstag, 24.10.2020, 10.30 - 17.00 Uhr
Seminarort: Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstr. 64, 80336 München
Teilnahmebeitrag: 5,- Euro
Anmeldung per

Faschismustheorien in Zeiten des Rechtsrucks

Faschismustheorien liefern Werkzeuge und Sehhilfen für die Untersuchung der extremen Rechten. Unser Tagesseminar mit Mathias Wörsching stellt ältere und neuere Ansätze vor.

Das Erstarken der extremen Rechten vielerorts auf der Welt während der letzten Jahre hat dazu geführt, dass wieder verstärkt über Faschismus gesprochen und diskutiert wird. Doch das Wort „Faschismus“ diente schon immer nicht nur als sinnvolle Analysekategorie, sondern auch als grenzenlos gebrauchter Kampfbegriff. Insbesondere von linker Seite wurde dieser Begriff nicht selten auf alle möglichen autoritären und menschenfeindlichen Tendenzen ausgeweitet und dadurch analytisch entwertet.

Trotzdem lassen sich aus den jahrzehntelangen Forschungen und Theoriedebatten zum Faschismus einige Erkenntnisse gewinnen, die für heutige Herausforderungen wichtig sind. Im ersten Block des Seminars („Was ist Faschismus?“) soll ein sinnvoll anwendbarer, einigermaßen genauer Faschismusbegriff erarbeitet werden. Als Bezugspunkt dient dabei die historische Epoche des Faschismus zwischen dem Ende des Ersten und dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1918-1945). Grundgedanken und Hauptströmungen der Faschismustheorie werden vorgestellt.

Im zweiten Block des Seminars („Wo droht Faschismus?“) wollen wir schauen, was uns die historisch gebildeten Kriterien und Begriffe für die heutige Zeit zu sagen haben: Lassen sich „Damals“ und „Heute“ überhaupt vergleichen? Entstehen oder existieren auch heute faschistische Massenbewegungen oder sogar Herrschaftssysteme? Müssen wir vielleicht sogar eine neuerliche Epoche des Faschismus befürchten?
Im Fokus stehen dabei die Verhältnisse in Deutschland und Europa.

Seminarzeiten: Samstag, 17.10.2020, 10.30 - 17.00 Uhr
Seminarort: Gewerkschaftshaus Nürnberg, Kornmarkt 5 - 7, 90402 Nürnberg
Teilnahmebeitrag: 5,- Euro
Anmeldung per

 

Entstehung und Entwicklung der Neuen Linken

Ein Tagesseminar mit dem Historiker und Politikwissenschaftler Dr. Jan Hoff

Warum bezeichnete der französische Philosoph Henri Lefebvre den Zeitraum von 1957 bis 1972 als „Periode der radikalen Negation“?

Chruschtschows Rede beim 20. Parteitag der KPdSU machte die Verbrechen Stalins öffentlich, viele Mitglieder und intellektuelle Köpfe der Kommunistischen Parteien außerhalb des sowjetischen Machtbereichs waren erschüttert. Die Reaktion war die Herausbildung und weitere Entwicklung eines vielfältigen Feldes politischer und theoretischer Aktivitäten, mit denen nach einem eigenständigen Weg zum Sozialismus gesucht wurde – jenseits von Sozialdemokratie und moskautreuen Parteikommunismus. Damit wurde bereits in den 1950er Jahren die Saat gelegt, die in der globalen Revolte von 1968 aufging.

Die Neue Linke war eine internationale Bewegung, weshalb dieses Tagesseminar verschiedene Aspekte der politisch-intellektuellen Entwicklungsprozesse in mehreren Ländern berücksichtigt. Auch darf die Vielfalt der Neuen Linken nicht unterschätzt werden – bis hin zu Spannungen zwischen einer stark an der Arbeiterbewegung orientierten „ersten“ Neuen Linken der 50er und einer davon verschiedenen „zweiten“ Neuen Linken, die das studentische Milieu der 60er und 70er Jahre prägte. In diesem Tagesseminar geht es nicht zuletzt um die intellektuellen VordenkerInnen der politischen Entwicklungsprozesse, um die Grundlinien ihres theoretischen und politischen Denkens.

Seminarzeiten: Samstag 26. September 2020, 10:30 Uhr - 17:00 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung: per

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