Ein Gespenst geht um in Bayern:

das gewerkschaftspolitische Seminarprogramm

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, manchmal muss auch ein guter Vortrag her. Deshalb gibt es selbstverständlich 2019 wieder zahlreiche Angebote zu gesellschaftskritischen Themen. Hier eine Übersicht.

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Was noch kommt und was Sie verpasst haben:

18. Mai: Globalisierte Arbeitsmärkte – Aktuelle Entwicklungen und gewerkschaftliche Herausforderungen

In diesem Seminar sollen Arbeitsmärkte als gesellschaftliches Phänomen aus der Perspektive einer Soziologie der Globalisierung kritisch diskutiert werden.

Arbeitsmärkte sind durch eine zunehmende internationale Mobilisierung und Mobilität von Arbeit gekennzeichnet. Zugleich werden sie immer stärker über Online-Plattformen „digitalisiert“, sodass Angebot und Nachfrage von Arbeit über nationalstaatliche Grenzen hinweg wahrgenommen werden können. Von Seiten der staatlichen Politik werden Arbeitsmärkte jedoch weiterhin hauptsächlich aus nationaler Perspektive konzipiert und reguliert.

Gewerkschaften sind, mehr als je zuvor, als Form der kollektiven Interessenvertretung der Arbeitenden in globalisierten Arbeitsmärkten erforderlich. Doch gewerkschaftliches Handeln wird durch die genannten Entwicklungen ebenfalls komplexer und zunehmend schwieriger. Das Verständnis davon, wie Arbeitsmärkte aktuell funktionieren und wie sie politisch strukturiert werden, ist eine Grundbedingung dafür, dass ein globalisiertes gewerkschaftliches Handeln Erfolg haben kann.

In diesem Seminar sollen Arbeitsmärkte als gesellschaftliches Phänomen aus der Perspektive einer Soziologie der Globalisierung kritisch diskutiert werden. Hierzu werden aktuelle Tendenzen der internationalen Mobilisierung und Mobilität von Arbeit sowie der Digitalisierung von Arbeitsmärkten besonders berücksichtigt. Daran anschließend soll eine Diskussion über die Heraus-forderungen und Handlungsmöglichkeiten von Gewerkschaften im Rahmen globalisierter Arbeitsmärkte geführt werden.

Ziel ist es, zu klären, welche gewerkschaftlichen Herausforderungen durch diese globalisierten Arbeitsmärkte entstehen und was Gewerkschaften tun können, um die gegenwärtige Globalisierung von Arbeitsmärkten im Interesse der anhängig Beschäftigten beeinflussen zu können.

Referentin: Dr. Ana Cárdenas Tomažič

Anmeldeschluss: Freitag, 10. Mai 2019
Seminarbeginn: Samstag 18. Mai 2019, 10:30 Uhr
Seminarende: Samstag, 18. Mai 2019, 17:00 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: Gewerkschaftshaus Nürnberg, Kornmarkt 5-7, 90402 Nürnberg
Anmeldung:

4. Mai: Lebenslanges Lernen - Eine kritische Bestandsaufnahme

Lukas Eble und Dr. Manuel Rühle werfen einen kritischen Blick auf die Forderung nach "lebenslangem Lernen".

Die vormalige Alltagsweisheit vom lernfähigen Hänschen und dem Hans, der nimmer mehr lernt, ist schon länger aus der Mode geraten. Heute gilt ein „Lebenslanges Lernen von der Wiege bis zur Bahre“ als gesellschaftliche Notwendigkeit, der sich niemand entziehen darf. Wer sich heute nicht permanent weiterbildet, so die herrschende Meinung, gefährde nicht nur die eigene „Beschäftigungsfähigkeit“, sondern auch den Erfolg des „nationalen Standorts“ in der Weltmarktkonkurrenz.

Die Anfänge des bildungspolitischen Konzepts des Lebenslangen Lernens reichen bis in die 1960er Jahre zurück. Sie sind Ausdruck tiefgreifender Veränderungen in den globalen kapitalistischen Verwertungsbedingungen. Neben dem Ziel einer fortlaufenden Anpassung der Qualifikationen an die Marktbedarfe finden sich darin aber auch progressive Impulse, etwa die Vorstellung, unabhängig von der sozialen Herkunft lernen zu dürfen.

Das Konzept des Lebenslangen Lernens fordert dabei nicht einfach nur eine „lebenslange Weiterbildung für alle“. Im Fokus steht vielmehr die Hervorbringung eines bestimmten, ökonomisch geforderten Sozialcharakters, der sich flexibel und mobil den je herrschenden Anforderungen anpasst. Die „Bereitschaft zum freiwilligen Mitmachen“ ist ein elementarer Bestandteil des gegenwärtigen Kapitalismus, der maßgeblich auf den Wissensbeständen und Fähigkeiten der Arbeitenden beruht. Daher ist die Bearbeitung des Phänomens Lebenslangen Lernens in erster Linie keine bildungspolitische, sondern eine gesellschaftspolitische Aufgabe.

Im Seminar wollen wir die Programmatik des „LLL“ mittels gesellschafts- und bildungstheoretischer Überlegungen in den Blick nehmen. Dabei interessiert uns vor allem die Frage, welche gewerkschaftlichen Herausforderungen damit verknüpft sind bzw. sich verknüpfen lassen: Wie kann der gesellschaftliche Anpassungsdruck, der durch das allgegenwärtige Digitalisierungsszenario weiter verschärft wird, im Interesse der Beschäftigten gewendet werden?

Referenten: Lukas Eble und Dr. Manuel Rühle

Anmeldeschluss: Freitag, 26. Apri 2019
Seminarbeginn: Samstag 04. Mai 2019, 10:30 Uhr
Seminarende: Samstag, 04. Mai 2019, 17:00 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:
Die Teilnahme ist kostenlos, Mittagsimbiss wird bereitgestellt

6. April: Widersprüche der Austeritätspolitik in Europa: Das Beispiel Griechenland

Zu Beginn der Staatsschuldenkrise 2010 galt Griechenland zunächst als Einzelfall. Nachdem sich jedoch auch in Spanien, Portugal und Irland ähnliche Krisentendenzen zeigten, musste diese Einzelfall- in eine Sonderfall-These uminterpretiert werden: Die Griechen hätten jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt und bekämen nun die Rechnung dafür präsentiert. Ein Tagesseminar mit Dr. Gregor Kritidis.

Seit dem Abschluss der ersten Kreditverträge im Mai 2010 wurden der griechischen Regierung  alle wesentlichen politischen Entscheidungen von den Vertretern der Gläubiger vorgegeben: Kürzungen in den öffentlichen Haushalten und bei den Soziaversicherungen, Entlassungen im Öffentlichen Dienst, Steuererhöhungen aller Art, Privatisierungen von öffentlichem Eigentum uvam. Mit der Troika, bestehend aus Vertretern der Europäischen Zentralbank, der Europäischen Kommission und dem Internationalen Währungsfonds, wurde ein Gremium geschaffen, dass die Umsetzung dieser Austeritätspolitik überwacht. Die von den Gläubigern verordnete Schock-Therapie führte zu einer allgemeinen ökonomischen und sozialen Krise, die bis heute nicht überwunden ist. Die Wirtschaft schrumpfte um gut ein Fünftel, die Arbeitslosigkeit erreichte Rekordwerte und das Gesundheitssystem war nicht mehr in der Lage, alle Bedürftigen zu behandeln.

Vergegenwärtigt man sich vor dem Hintergrund der moralisch hochgradig aufgeladenen Krisendebatte zwischen 2010 und 2015 die gegenwärtige ökonomische Lage Griechenlands, springt der Widerspruch zwischen dem offiziellen Anspruch der (Staats-)Schuldenreduzierung und dem tatsächlichen Ergebnissen ins Auge: Sowohl in absoluten Zahlen als auch in Relation zum Bruttoinlandsprodukt sind die öffentlichen Schulden in Griechenland gestiegen.

Ist die Austeritätspolitik aus Sicht der Gläubiger gescheitert? Oder war das Ziel der Schuldenreduzierung nur die Rechtfertigung für die Krisenpolitik der EU?

Referent: Dr. Gregor Kritidis, Sozialwissenschaftler und Historiker

Anmeldeschluss: Freitag, 29. März 2019
Seminarbeginn: Samstag 06. April 2019, 10:30 Uhr
Seminarende: Samstag, 06. April 2019, 17:00 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:
Die Teilnahme ist kostenlos, Mittagsimbiss wird bereitgestellt

23. März: Fachtagung - Rechtspopulismus und Gewerkschaften

Neben einer grundsätzlichen Analyse der Situation soll es vor allem um die Frage gehen, welche gewerkschaftlichen Handlungsstrategien nötig bzw. möglich sind. Es diskutieren Ursula Stöger (ver.di Landesbezirk Bayern), Robert Günthner (DGB-Bezirk Bayern), Stefan Dietl (ver.di Landesvorstand Bayern), Manuel Rühle (DGB Bildungswerk Bayern)

Rechtes Denken ist in Deutschland wie in ganz Europa auf dem Vormarsch. Der Wahlerfolg völkisch-nationalistischer Parteien ist dabei nur das offensichtlichste Anzeichen für diesen Trend. Versteckte bis offene Feindseligkeiten gegen MigrantInnen und weitere, als nicht-zugehörig angesehene Menschengruppen lassen sich überall im Alltagerleben – so auch in Betrieben und Dienststellen. Der schon länger bekannte Sachverhalt, dass auch Gewerkschaftsmitglieder keineswegs automatisch „immun“ gegen rechte Ideologien sind, wird dabei einmal mehr bestätigt. Für Gewerkschaften als Interessensvertretungen aller abhängig Beschäftigter bedeutet dies eine ganze Reihe von Herausforderungen, denen auf unterschiedlichen Ebenen begegnet werden muss.Die Tagung bietet ein Forum für die Diskussion dieser Entwicklungen und ihrer Folgen für abhängig Beschäftigte. Sie geht aus von den Ergebnissen der Studie „Rechtspopulismus und Gewerkschaften“, die von WissenschaftlerInnen des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) in München und WISSENTransfer in Hamburg durchgeführt wurde. Darin wird deutlich, in welch hohem Maße rechte Anschauungen, Äußerungen und Aktivitäten in der Arbeitswelt anzutreffen sind. Neben einer grundsätzlichen Analyse der Situation soll es vor allem um die Frage gehen, welche gewerkschaftlichen Handlungsstrategien nötig bzw. möglich sind. Die Tagungrichtet sich an alle gewerkschaftlich aktiven Kolleginnen und Kollegen.

Referentinnen und Referenten: Ursula Stöger (ver.di Landesbezirk Bayern), Robert Günthner (DGB-Bezirk Bayern), Stefan Dietl (ver.di Landesvorstand Bayern), Manuel Rühle (DGB Bildungswerk Bayern)

Anmeldeschluss: Freitag, 13. März 2019
Seminarbeginn: Samstag 23. März 2019, 10:30 Uhr
Seminarende: Samstag, 23. März 2019, 16:00 Uhr
Seminarort: Gewerkschaftshaus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung:
Die Teilnahme ist kostenlos, Mittagsimbiss wird bereitgestellt
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