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Ein Gespenst geht um in Bayern

das gewerkschaftspolitische Seminarprogramm

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, manchmal muss auch ein guter Vortrag her. Deshalb gibt es selbstverständlich 2017 wieder zahlreiche Angebote zu gesellschaftskritischen Themen. Hier eine Übersicht.

17. Oktober: Faschismustheorie der Kommunistischen Internationale

Die Kommunistische Internationale hat das Wesen und die Gefahr des Faschismus in einer bisweilen grotesken Art und Weise verkannt. Darüber spricht der Philosoph und Politikwissenschaftler Hendrik Wallat im kommenden Tagesseminar.

Die Kommunistische Internationale (Komintern, KI) war eine Antwort auf die imperialistische Massenschlächterei des 1. Weltkriegs und das Versagen der sozialdemokratischen Massenparteien, diese zu verhindern. Nach der siegreichen Russischen Oktoberrevolution wurde die KI im März 1919 unter maßgeblicher Federführung Lenins gegründet. Sie sollte als „einheitliche kommunistische Partei der ganzen Welt“ (Statuten der KI 1920) die unmittelbar erwartete Weltrevolution (nach russischem Vorbild) organisieren.

Bekanntlich wurde dieser Traum nicht Wirklichkeit. Statt zur Weltrevolution kam es zur Konsolidierung der jungen Sowjetunion, die sich spätestens nach dem Tode Lenins 1924 zu einer bürokratisch-terroristischen Diktatur wandelte. Diese bediente sich zunehmend der KI als Instrument ihrer staatsstrategischen Außenpolitik. Aus einer diskussionsfreudigen Organisation des authentischen Weltbolschewismus wurde sie ein Mittel der stalinistischen Herrschaft, die sich ihrer, als es opportun erschien, dann auch 1943 im Zeichen des „Großen Vaterländischen Kriegs“ entledigte.

Diese Entwicklung der KI spiegelt sich in ihrer Diskussion des Faschismus wider. Diese beginnt frei und offen, verliert aber zusehends an Realitätsgehalt und wird vollständig der Staatsraison der SU unterworfen, was ihre bisweilen absurden Wendungen mit bedingt. Freilich, und das steht im Zentrum des Seminars, war die Faschismustheorie der KI bereits von Anfang an ihrem Gegenstand aus prinzipiellen theoretischen Gründen nicht gewachsen: Ihre (auf Lenin zurückgehende) ökonomistisch und personalistisch verkürzte Gesellschafts- und Politiktheorie hat das Wesen und die Gefahr des Faschismus in einer bisweilen grotesken Art und Weise verkannt. Dies war nicht bloß das zufällige Resultat von Machtkämpfen in den stalinistischen Apparaten, sondern ist im Marxismus-Leninismus selbst begründet.

Referent: Hendrik Wallat, Philosoph und Politikwissenschaftler

Anmeldeschluss: Freitag, 9. Oktober 2015
Seminarbeginn: Samstag, 17. Oktober 2015, 10:00 Uhr
Seminarende: Samstag, 17. Oktober 2015, 17:30 Uhr
Teilnahmebeitrag: 5 Euro
Seminarort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung: