Ein Gespenst geht um in Bayern:

das gewerkschaftspolitische Seminarprogramm

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, manchmal muss auch ein guter Vortrag her. Deshalb gibt es selbstverständlich 2019 wieder zahlreiche Angebote zu gesellschaftskritischen Themen. Hier eine Übersicht.

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Was noch kommt und was Sie verpasst haben:

29. November: Eine Einführung in das Denken von John Maynard Keynes

Inwieweit bieten die theoretischen Ausarbeitungen von Keynes heutzutage Ansatzpunkte für eine alternative Wirtschafts- und Sozialpolitik? Dieser Frage wird im kommenden Seminar mit dem Sozialwissenschaftler Michael Wendl nachgegangen.

Die Entwicklung im Wirtschafts- und Finanzsystem in den letzten Jahren hat auf den ersten Blick viele „unerschütterliche“ Gewissheiten der „neoliberalen“ Jahre ins Wanken gebracht. Selbst manche Gedanken des bekannten Ökonomen John Maynard Keynes (1883 – 1946) – viele Jahre in Politik und Wissenschaft als antiquiert und überholt abqualifiziert – erlebten teilweise eine unverhoffte Renaissance. Vielen erscheinen die „Selbstheilungskräfte des Marktes“ als offensichtlich überfordert, der Mehrheit der Leute ein einigermaßen auskömmliches Leben zu ermöglichen. Daraus werden unter-schiedliche Schlüsse gezogen. Unter anderem wurde und wird vermehrt über Keynes, seine theoretischen Grundlagen und mögliche wirtschaftspolitische Strategien diskutiert, Stichwort: Keynesianismus.
Keynes‘ Wirtschaftstheorie hat sich als gegen die neoklassische Schule gerichtete Antwort auf die Weltwirtschaftskrise 1929 begriffen. Gegen die Neoklassik wurde eingewandt, dass Produktion und Beschäftigung von der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage be-stimmt werden. Ökonomische Krisen und Arbeitslosigkeit sind Keynes zufolge keine quasi von „außen“ verursachten Störungen eines eigentlich gut funktionierenden Systems, sondern ergäben sich aus den Funktionsprinzipien des (kapitalistischen) Wirtschaftssystems selbst.


Keynes setzt gegen die mikroökonomisch argumentierende Neoklassik auf ein makroökonomisches Konzept, wobei dem Staat eine wichtige Rolle zukommt. Hierbei spielen die Einschätzung von Rolle und Funktion des Geldes wie der gesamtgesellschaftlichen Nachfrage eine zentrale Rolle.
Keynes ging es nicht um die Überwindung des Kapitalismus, im Gegenteil, ihn trieb die Sorge um dessen Erhaltung, weswegen er für staatliche Eingriffe in die Wirtschaft stritt. Trotzdem wurden in den Diskussionen über den Keynesianismus nach 1945 doch auch immer wieder Berührungspunkte mit marxistischen Ansätzen behauptet. Außerdem existieren innerhalb der sich auf Keynes beziehenden Ökonomen unterschiedliche Strömungen in den theoretischen und wirtschaftspolitischen Auseinandersetzungen: Linkskeynes-ianismus, Postkeynesianismus, Monetär-keynesianismus etc. All das wird im Seminar erörtert, bevor am Ende die Frage in den Mittelpunkt rückt, inwieweit die theoretischen Ausarbeitungen von Keynes heutzutage Ansatzpunkte für eine alternative Wirtschafts- und Sozialpolitik zu bieten in der Lage sind.

Refernet: Michael Wendl

Anmeldeschluss: Freitag, 21. November 2014
Seminarbeginn: Samstag, 29. November 2014, 10:00 Uhr
Seminarende: Samstag, 29. November 2014, 17:30 Uhr
Seminarort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung: siehe Flyer

15. November: Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

Im kommenden Seminar werden die wichtigsten Thesen Max Webers dargestellt und kritisch daraufhin befragt, inwieweit sie zu einer Erklärung der Herausbildung des Kapitalismus geeignet sind.

Max Weber (1864 – 1920), Soziologe, Jurist und Nationalökonom, gilt als ein Klassiker der Soziologie und der Kultur- und Sozialwissenschaften insgesamt. Neben diversen Fragestellungen befasste sich Weber intensiv mit Problemen des Kapitalismus und seiner Eigenarten. Neben dem großen Werk Wirtschaft und Gesellschaft ist das in diesem Seminar zu behandelnde Werk Die pro-testantische Ethik und der Geist des Kapitalismus weltweit bekannt und auch verbreitet. Es zählt zu den wichtigsten nicht an der Marxschen Theorie orientierten Arbeiten zur kapitalistischen Produktionsweise und ihren Voraussetzungen. Neben großer Zustimmung ist diese Arbeit auch auf erhebliche Kritik gestoßen.


Nach Weber besteht zwischen der protestantischen Ethik und der Herausbildung des Kapitalismus in Westeuropa ein enger Zusammenhang, nicht aber eine echte Kausalität. Wichtig ist ihm die Frage der Gesinnung, bestimmte Glaubensinhalte also, die das Ethos einer bestimmten – hier: der kapitalistischen – Wirtschaftsweise be-dingen, bzw. begünstigen. So erscheint ihm der Charakter des Kapitalbesitzes und des Unternehmertums vorwiegend protestantisch zu sein – mit hin die vernunftmäßige Ethik des asketischen (enthaltsamen) Protestantismus. Weber geht es um das Zusammentreffen religiöser und ökonomischer Bedingungen.


Der protestantische Puritanismus (rationaler bürgerlicher Betrieb und rationale Organisation der Arbeit) verpflichte die einzelnen ökonomisch tätigen Menschen, zum Ruhme Gottes Besitztum zu erhalten und durch den rastlosen Einsatz von Arbeit zu vermehren. So konstituiert sich nach Weber der „moderne Wirtschaftsmensch“ als Träger der kapitalistischen Ausdehnung.
Im Seminar werden die wichtigsten Thesen Max Webers hierzu dargestellt und kritisch daraufhin befragt, inwieweit sie zu einer Erklärung der Herausbildung des Kapitalismus geeignet sind.

Referent: Dr. Alexander Klier, Philosoph

Anmeldeschluss: Montag, 10. November 2014
Seminarbeginn: Samstag, 15. November 2014, 10:00 Uhr
Seminarende: Samstag, 15. November 2014, 17:30 Uhr
Seminarort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung: siehe Flyer


11. Oktober: "Gute Arbeit" - Gestaltungsgrundsätze menschengerechter Arbeit im Industrie- und Dienstleistungsbereich

Der DGB hat die Auseinandersetzung um die Entwicklung von Arbeit zu einem der wichtigsten strategischen Themen der nächsten Jahre erklärt – auf Bundesebene ebenso wie in Bayern. Im Seminar "Gute Arbeit" werden drei Wissentschaftler/innen die Gestaltungsgrundsätze im Sinne der Beschäftigten umreißen.

Unter der Überschrift „Neue Ordnung der Arbeit“ geht es ihm darum, das generelle Problem der „Entgrenzung von Arbeit“ anzupacken und auf verschiedenen Ebenen – betrieblich, gesellschaftlich und politisch – die entsprechenden Instrumente und Regelungen zu entwickeln.

In diesem Seminar für haupt- und ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen und Betriebs- und Personalräte/innen werden in vergleichender Weise die Arbeitsbedingungen in Dienstleistungsbereichen und im industriellen Bereich untersucht und es werden die Hemmnisse erörtert, die humane Gestaltungsgrundsätze von Arbeit behindern.

Auf der Basis dieser vergleichenden Erörterungen werden dann Gestaltungsgrundsätze im Sinne der Beschäftigten umrissen und die Handlungsmöglichkeiten der Gewerkschaften skizziert, bevor in einer vergleichenden Abschlussdiskussion übergreifende strategische Perspektiven der Gewerkschaften und des DGB diskutiert werden.

Referentinnen/Referent:
Dr. Ursula Stöger (Universität Augsburg, Sozioökonomie der Arbeits- und Berufswelt)
Dr. Margit Weihrich (Universität Augsburg, Sozioökonomie der Arbeits- und Berufswelt(
Dr. Martin Kuhlmann (Universität Göttingen, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Soziologischen Forschungsinstitut (SOFI))

Anmeldeschluss: Montag, 02. Oktober 2014
Seminarbeginn: Samstag, 11. Oktober, 10:00 Uhr
Seminarende: Samstag, 11. Oktober, 17:30 Uhr
Seminarort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung: siehe Flyer

20. September: Die anarchistische Strömung in der Arbeiterbewegung

Anarchismus ist schick – sogar die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat uns alle zu Freizeitanarchisten erklärt. Jahrzehntelang randständig in der Linken und den Gewerkschaften, sind libertäre und antiautoritäre Positionen heute bisweilen angesagt. Ein Tagesseminar mit Peter Bierl.

Libertäre und antiautoritäre Positionen bilden seit dem Aufstand der Zapatisten in Mexiko 1994 ein Gegengewicht zu Sozialdemokraten, Etatisten und Leninisten, zuletzt bei den Indignados, in der Occupy-Bewegung, bei Protesten in der Türkei und Griechenland. Der anarchistische Professor David Graeber wurde gar als Mastermind einer neuen Linken in den – auch bürgerlichen – Medien abgefeiert.

Auf die wichtige Rolle des Anarchismus als Strömung der sozialistischen Arbeiterbewegung weltweit haben Lucien van der Walt und Michael Schmidt hingewiesen. Anarchosyndikalistische Gewerkschaften waren in Frankreich, Spanien oder Argentinien bis ins 20. Jahrhundert Massenorganisationen, ebenso die syndikalistischen Industrial Workers oft the World (IWW) in den USA. Im Seminar sollen verschiedene theoretische und praktische Ansätze des Anarchismus vorgestellt werden und zwar mit einem Schwerpunkt auf sozialistischen und gewerkschafts-orientierten Strömungen.

Für gewerkschaftsorientierte Linke im 21. Jahrhundert bieten anarchistische Bestandteile durchaus Anregungen: Staatsskepsis, Misstrauen gegenüber Hierarchien und Bürokratien, gerade auch in sozialen Bewegungen und linken Organisationen, Beharren auf Selbsttätigkeit und Basisdemokratie. Weitsichtig war die Kritik von Bakunin und Landauer an parlamentarischen Strategien; Kropotkin lieferte eine fundamentale Kritik des Sozialdarwinismus (während manche Marxisten aus lauter Wissenschaftsgläubigkeit rassenhygienische Ideen übernahmen), Murray Bookchin entwickelte seit den frühen 1950er Jahren eine radikal-ökologische Kritik an den stofflichen Folgen kapitalistischer Akkumulation.

Eine ausgeprägte Marx-Phobie hinderte allerdings viele Anarchisten daran, dessen Kritik der politischen Ökonomie zur Kenntnis zu nehmen. Stattdessen favorisieren viele Anarchisten schräge Zinstheorien, die auf den Antisemiten Pierre-Joseph Proudhon oder den Sozialdarwinisten Silvio Gesell zurückgehen.

Anmeldeschluss: Montag, 15. September 2014
Seminarbeginn: Samstag, 20. September, 10:00 Uhr
Seminarende: Samstag, 20. September, 17:30 Uhr
Seminarort: DGB-Haus München, Schwanthalerstraße 64, 80336 München
Anmeldung: siehe Flyer

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